Donnerstag, 15. November 2012

Ratio vs. Lohnkosten


Der Fokus fast jeden Ratio-Projektes liegt in der eigentlichen Produktion. Der Finanzvorstand rechnet dann gerne vor:
"Wir müssen noch mehr Ratios holen! Unsere liegen bei 1%, aber unsere Löhne steigen um 4%!"


In vielen deutschen Unternehmen sieht man das gleiche Phänomen:
Die Fertigungsplaner versuchen die letzten Bruchteile von Sekunden aus dem Fertigungsprozess heraus zu quetschen, damit die Teilekosten sinken, während in der Logistik Staplerfahrer fröhlich kreuz und quer durch die Fabrik fahren, ohne Ware zu transportieren.

Das Problem an dieser Weise einen Betrieb zu führen, ist, dass die wert-schöpfenden Prozesse, wie Fertigung und Montage, einen deutlich geringeren Anteil der gesamt Durchlaufzeit eines Bauteils, Produktes oder Auftrages ausmachen, als die nicht wert-schöpfenden wie Lagerung und Transport.
In der herkömmlichen Kostenrechnung verursachen komischerweise nur die wert-schöpfenden Prozesse Kosten, die dem Bauteil zugerechnet werden, alles andere wird über sogenannte Gemeinkosten nach dem Gießkannenprinzip über alle Produkte verteilt.

Dieser Ansatz entstammt einer Zeit, als die hauptsächliche Arbeit an einem Produkt wirklich einem einzelnen Arbeiter oder einer Reihe von Mitarbeitern direkt zugeschrieben werden konnte.
Zudem war das Verhältnis von direkt wert-schöpfend tätigem Mitarbeiter zu indirekt tätigen Mitarbeitern umgekehrt zu heute. Es waren deutlich mehr Leute in der Produktion beschäftigt als in der Konstruktion, Vertrieb etc.
Heutzutage finden wir in vielen Betrieben die Situation vor, dass eine kleine Anzahl von produktiv Tätigen einen großen Overhead durch ihre tagtäglich Arbeit finanzieren muss. Seien wir doch mal ehrlich, ein Ingenieur, Einkäufer oder Vorstand erwirtschaftet für das Unternehmen kein Geld. 

Aufgrund dieser Entwicklung ist es aus meiner Sicht dringend erforderlich sich zumindest für die Betriebsführung vom althergebrachten Rechnungswesen zu trennen und ein wertstromorientiertes System anzuwenden, welches einem Kennzahlen liefert, die einem helfen die Verschwendung im Gesamtprozess zu eliminieren.