Mittwoch, 26. September 2012

Sehen lernen.....

Letztens hatte ich eine interessante Unterhaltung mit einem Kollegen. Ich hab ihn gefragt, wie er zum Thema Lean gekommen sei. Er antwortete, dass er Mike Rother kennengelernt hat und mit ihm verschieden Wertströme untersucht hat. Dabei ist ihm besonders aufgefallen, dass Mike eine ganz andere Sichtweise auf Abläufe hatte, als andere Leute.

Nicht ganz zu unrecht, heißt der Bestseller von Mike Rother "Sehen lernen". Beschäftigt man sich eingehend mit der Thematik Lean, so merkt man, dass dies die beiden elementaren Arbeitsweisen in einem Lean Umfeld sind.

Beide?

Ja, zum einen das Sehen. Man kann etwas nur sehen, wenn man vor Ort ist und es sich anschaut. Man sieht etwas nicht in haufenweise Daten (außer vielleicht ein Six Sigma black belt ;-) ). Um einen Vorgang oder ein Problem richtig verstehen zu können, muss man vor Ort gehen und es sich anSEHEN.

Zum anderen ist Lernen ein weiteres extrem wichtiges Element. Es besagt, dass man eine innere Einstellung haben muss, die das Lernen von neuen Sachen ermöglicht. Ein Manager der von sich sagt, dass er alles weiß und genau weiß, wie die Abläufe in seinem Bereich sind, der hat keine Einstellung, die es ihm ermöglicht neues zu erLERNEN.

Ich persönlich gehe davon aus, dass ich mit dem was ich glaube zu wissen, zu 50% der Zeit falsch liege. Dies ermuntert mich häufiger zum Ort des Geschehens zu gehen und mir die harten Fakten anzusehen.

Bei Firmen wie Toyota wird viel Zeit darauf verwendet Einsteigern (vor allem Ingenieuren und Managern) das richtige Sehen beizubringen.
Wie dies unter anderem gemacht wird, versuche ich morgen zu beschreiben.

Kommentare:

  1. ... der Ort des Geschehens kann die Fabrikhalle sein. Es kann ein Opernhaus sein, oder auch das Internet, wenn man sich in Social Networks bewegt.

    Stets im Hintergrund die nächste Frage, "Hm, warum wird dies so gemacht? Was treibt?" und über die Zeit beginnt man intuitiv das Ganze um einen herum sehender zu begreifen. Er gestern habe ich über einen Opernbesuch der besonderen Klasse an der #Semperoper geschrieben. Ich kam mir vor wie in einem "Kreidekreis", seit der Vorstellung von "Wir erreichen den Fluss/ We come to the River", dauerte es fünf (!) Tage bis ich die Muster und Dynamiken im Stück und zwischen den einzelnen Akteuren erkannte.

    PS.: Dies ist eine ganz persönliche Erfahrung, und was ab 2003 bei BMW in Leipzig auf dem Shopfloor begann setze ich inzwischen im Kunstbetrieb fort - auch dies ein Unternehmen, wie fast jedes andere. Mehr dazu auf meinem Blog http://leanthinkers.blogspot.com

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  2. Hallo Ralf,
    du hast so recht. Wenn man mit offenen Augen durch die Gegend läuft, beginnt man die Dynamiken der ablaufenden Prozesse besser zu verstehen und auch überall Verschwendungen zu erkennen.
    So weitet man seine Sichtweise weg von der Produktionshalle, hin zur Umgebung und wird ein wahrer Lean Thinker.
    Wirklich tolle Berichte in deinem Blog.

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