Mittwoch, 12. Dezember 2012

Genchi Genbutsu....für jeden?!

Nach meinem Vortrag zum Thema "Die Lähmschicht durchbrechen" beim Change to Kaizen Symposium kam die Frage auf, ob das genchi genbutsu (geh hin und sieh selbst) von wirklich jedem im Unternehmen praktiziert werden kann.

Zitat: "Der Herr Löscher (CEO von Siemens) kann ja nicht jeden Tag in die Fertigung gehen."

Hierzu meine Meinung:
1.) Warum nicht?
2.) Der gemba ist für jede Person ja eine andere. Während der gemba eines Meisters seine zum Beispiel Montagebänder sind, sind es für den Vertriebschef eines Konsumgüter-herstellers die Verkaufsräume in den Supermärkten.

In der letzten Ausgabe des manager-magazins stand ein Interview mit Herrn Winterkorn (CEO von Volkswagen), in dem er beschrieb, dass er wo immer möglich die eigenen Modelle und die der Konkurrenz probe fährt. Er käme im Monat auf eine Woche Zeit im Auto zum Probefahren. Des Weiteren sei er häufig in den Entwicklungs- und Designabteilungen, sowie vor Ort an der Montagelinie. 

Man sieht: Es geht!
Definieren Sie für sich selbst einfach, was sind Ihre gembas?
Aber vor allem: Hören Sie nicht auf die Reports, Zahlen und PowerPoint Berichte, die Ihnen jemand erzählt, sondern sehen, fühlen und hören Sie selbst am Ort des Geschehens was passiert!

Kommentare:

  1. Danke Johann für Deinen treffenden Artikel. Gemba ist tatsächlich wo etwas passiert, und das kann auch im Bereich neuer Informationstechnologien liegen (wie es oft der Fall bei mir ist).

    Doch selbstverständlich ist es nicht dies in dieser Art zu sehen, wenn Lean größtenteils mit "echter" Produktion von "anfassbaren" Gütern verbunden wird.

    Wenn in der Produktion ein bestimmter Prozess nicht wie vereinbart läuft, doch die Ursache nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, dann ist es am besten man schaut sich das dort an, wo der Prozess ist und geht der Sache tiefer nach.

    Liegt hingegen ein "kaputter" Kommunikationsprozess vor, z.B. von einer Zeitung, die nun auf Facebook aktiv ist, und der schreibende (fragende) Leser keine Antwort erhält, ist man zwar schon mittendrin im Gemba (beide Seiten nutzen zwar das gleiche Medium (boundary object), doch ist es hier wesentlich schwieriger die Zusammenhänge aufzudecken, wenn man die handelnden Personen nicht ohne Weiteres erreicht.

    Gemba wird überall gehen, doch wird es überall auch gänzlich anders aussehen und andere Herausforderungen geben, den Prozess zu sehen und zu verstehen.

    Nochmals vielen Dank und beste Grüße aus Dresden
    Ralf
    http://leanthinkers.blogspot.com

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  2. Ein gutes Beispiel für das aktive Leben von Genchi Genbutsu eines Vorstandsvorsitzenden war der leider verstorbene Steve Jobs. In seinen legendären Produktvorstellungen kam deutlich zum Ausdruck, dass er die Produkte nicht erst kurz vor der Präsentation in einer Schnellbleiche gezeigt bekommen hat.

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